Mitgliederversammlung 2018

28.04.2018

...Förderprojekte des Vereins

Auszug aus dem Rechenschaftsbericht der Vorsitzenden Dr. Dorothea Redeker

Liebe Mitglieder, meine Damen und Herren:

Es ist eine ungewöhnliche Idee, die an der Welterbestätte Kloster Lorsch   realisiert wurde: Die Idee, eine historische Stätte nicht nur im Sinne des Denkmalschutzes zu bewahren oder auf den Besucher wirken zu lassen, sondern einen Ort zu schaffen, an dem Wissenschaft, experimentelle Arbeit und Vermittlung für Erwachsene wie Kinder und Jugendliche miteinander verbunden werden. 

Jede der genannten Ausrichtungen allein ist bereits eine herausfordernde Aufgabe, schließlich gibt es mit Universitäten, Fachhochschulen , Schulen und Museen bereits viele Institutionen, die sich ausschließlich Forschungsfragen widmen, bzw. sich auf praktische Themen konzentrieren oder sich primär der Wissensvermittlung widmen. Am Kloster Lorsch jedoch lautete das Zauberwort der Ausrichtung Miteinander und das in mehrfacher Hinsicht

·         Miteinander bedeutet, dass hier fachübergreifende Forschungsprojekte aufgesetzt werden – die Untersuchung des Kirchenfragments und der Torhalle sind einprägsame Beispiele, über die wir in den vergangenen Jahren viel Neues zu Methodik und Ergebnisinterpretation gehört haben.

·         Miteinander bezieht sich aber auch auf das experimentelle Arbeiten; hier geht es nicht nur um bekannte Themen der experimentellen Archäologie, wie die Rekonstruktion von Gerätschaften oder Bauten, sondern auch um das Zusammenspiel von Natur, Mensch und Tier.

·         Wissenschaft miteinander an einem geschichtsträchtigen Ort zu betreiben, geht nicht ohne eine Zusammenarbeit mit anderen Forschungslabors und Universitäten in der Bundesrepublik wie auch international. Auch hier leistet die Welterbestätte vorbildliche Arbeit

·         Und schließlich bedeutet Miteinander, Forschung nicht im Elfenbeinturm stattfinden zu lassen, sondern in aller Offenheit und Öffentlichkeit, einsehbar, erlebbar und inhaltlich, wie methodisch nachvollziehbar.

Forschen heißt Lernen, impliziert nicht nur Thesen aufzustellen und sie zu belegen, sondern diese überarbeiten, verwerfen  zu müssen. Forschen ist mühselige Arbeit, setzt Geduld und Bereitschaft zur Auseinandersetzung   voraus und den Willen, Schlussfolgerungen zu korrigieren, wenn Fakten dagegen sprechen. Wir alle erleben derzeit, wie leicht wir in einer komplexen Welt Fake News aufsitzen, und uns zunehmend in Informationsblasen bewegen, die unsere Meinungen bestätigen, aber nicht zulassen, sich Meinungen zu bilden.  

An der Welterbestätte wird es uns leicht gemacht, diesem Kreislauf zu entrinnen. Hier wartet auf die Besucherinnen und Besucher ein wirklich breites Angebot, Themen rund um das Frühmittelalter zu ergründen. Der vor vielen Jahren entwickelte Gedanke, Lorsch zum Zentrum für Frühmittelalterforschung zu machen, wird seit der Neueröffnung der Welterbestätte 2014 nun endlich in die Tat umgesetzt. An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei Herrn Dr. Schefers, bei Herrn Kropp und Frau Goetz und ihren Teams für das unermüdliche Engagement bedanken. Ohne sie alle, ohne Ihre Leidenschaft und Ihren Einsatz gäbe es diese Konzeption nicht und keines dieser Projekte.

Seit seiner Gründung vor 20 Jahren begleitet das Kuratorium die Aktivitäten am Kloster Lorsch. Wir verstehen uns dabei als „Anschieber“,  als Unterstützer von Projekten, die als innovative Ansätze noch nicht den Weg in die administrative Ebene der öffentlichen Verwaltungen gefunden haben. Gerade im letzten Jahr sind wir in diesem Bereich aktiv geworden. So wurde mit Mitteln des Kuratoriums eine professionelle Wetterstation angeschafft, mit der das Mikroklima auf den Äckern, aber auch das Raumklima in den Häusern des Herrenhofs erforscht wird. Ganz im Sinne einer an der Praxis orientierten Forschung in Lauresham geht es dabei nicht nur um die Analyse und Darstellung von Daten, sondern um die Beantwortung von Fragen zum Alltagsleben im Frühmittelalter.  
Dank einer großzügigen Spende von Prof. Leonhard, konnte die Ausstattung des Seminarraums zur Anthropologie finanziert werden. Wir alle erinnern uns an die hervorragende Ausstellung  „Begraben und Vergessen“ und das immense Interesse der Besucher an Fragestellungen zur Methodik der Anthropologie und ihren Forschungsansätzen. Viele Exponate – allen voran der rekonstruierte Mönchskopf – müssen nicht im Depot verschwinden, sondern dienen nun weiter als Anschauungsmaterial und Lernobjekt in Workshops.

An einem ganz neuen Projekt, das erst morgen am ersten Tag der Experimentellen Archäologie gezeigt wird, hat sich das Kuratorium ebenfalls beteiligt. Auch wenn uns die Vorstellung vielleicht schwer fällt: zum   Alltagsleben der Menschen im Frühmittelalter gehörte der Krieg, um eigenes Terrain zu sichern oder Neues zu erobern. Wie so oft in der Frühmittelalterforschung, gibt es Hinweise zur Ausstattung der Heere und Soldaten, im Detail weiß man aber sehr wenig darüber. Auf Initiative von Claus Kropp soll nun u.a. die Ausstattung eines „typischen“ Panzerreiters untersucht und rekonstruiert werden. Grundlagen sollen auf einer wissenschaftlichen Tagung erarbeitet werden –als erster, anschaulicher Anstoß wurde damit begonnen, ein karolingisches Schwert, ein Spatha, „nachzuschmieden“.  

Zugesagt haben wir auch eine Unterstützung der neu ins Leben gerufenen „Lauresham Lectures“ – eine Reihe, die sich an die Fachwelt der „Experimentellen Archäologie“ richtet. Prof. Aidan O‘Sullivan aus Irland wird morgen der erste hochkarätige Referent dieser Vortragsreihe sein.  

Alles in allem haben wir 2017 für die verschiedenen Projekte etwa €10.000 an Fördermitteln bereitstellen können.

Als weitere Aktivitäten bleiben noch die Beteiligung des Vereins am Weltebetag und die Weihnachtsfeier in Lauresham bzw. im Back- und Backhaus zu nennen. Mein Dank an dieser Stelle gilt Claus Kropp und Mascha Funke, die uns wie immer kompetent und unterhaltsam in die Nacht entführt haben.

Gerne gebe ich Ihnen einen Fotoband durch die Reihen, in dem wir unsere Aktivitäten in den letzten Jahren einmal komprimiert zusammengefasst haben.

Schließlich konnten wir unsere eigene Vortragsreihe „Mittelalter erleben – Wissenschaftler berichten“ im Januar mit einem spannenden Referat von Dr. Katarina Papajanni fortsetzen.


28.4.2018


 

 

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